Legacy interview 04 2016

1. Wie seid ihr dazu gekommen, Metal und Western zu kreuzen – sowohl musikalisch als auch optisch? Standen da auch Vermarktungstechnische Überlegungen dahinter, oder fasziniert euch diese Szene auch persönlich?

Auch bevor wir uns für das Western-Thema entschieden, spielte in unseren Songs das „einer gegen die Welt“ – Prinzip eine große Rolle. Dieses Prinzip ist, finde ich, einfach treffend, und es hat uns sowohl beim Spielen, als auch beim Hören, immer ein Grinsen ins Gesicht gezaubert. Man bewegt sich durch den Song und findet sich wieder. Ich erinnere mich an etliche Nächte im Dunst des Proberaums, in denen Markus und ich epische Metalstücke über Schlachtszenen alter Filme legten und irgendwann sagten wir uns dann (viel Bier ist den Bach hinuntergeflossen): Wir müssen anfangen, unsere eigene Geschichte zu erzählen. Und das Westernsetting ist uns einfach als die beste Umgebung dafür ins Auge gesprungen. Außerdem habe ich zu dieser Zeit gerade den Dunklen Turm gelesen. Danke, Stephen King ;)

 

2. Wie stark setzt ihr euch mit der Thematik des Wilden Westens und der Geschichte der USA auseinander? Entstehen Songtexte mehr aus dem Gefühl heraus oder findet davor ein spezifisches Literaturstudium statt?

Hier wird es interessant! Wie gesagt, wollten wir unsere eigene Geschichte erzählen, und das taten wir in Songs wie „Wages Of A Gunslinger“ auch. Für das neue Album sollte das Ganze allerdings noch einen Schritt weitergehen und als wir in „Fool‘s Gold“ anfing Namen, Personen und Abläufe einzubinden, entfachte das eine unserer weltberühmten Outlawed- Diskussionsrunden (sehr laut, sehr hitzig, nicht für unter drei Biere geeignet). Heraus kam, dass der Rahmen unserer Geschichte endlich festgelegt werden musste. Zwei Tage nach der von mir eher ironisch gemeinte Frage „Was soll ich denn machen? Ein Buch schreiben?“ setzte ich mich hin und begann zu schreiben. 6 Monate lang. Die letzten 3 fast ohne Tageslicht ;)
Was herauskam, hat mich selbst überwältigt: Über 50 A4 Seiten voll mit Text. Und diese Geschichte ist es auch, von der wir in unseren Songs erzählen. Während unser aktuelles Album bereits viele Elemente daraus verwendet, soll unser nächster Output komplett dem Faden der Geschichte folgen. Wir denken auch schon darüber nach, diese gesondert mit der CD zu veröffentlichen. Der geschichtliche Wilde Westen, der Teil der Vergangenheit der USA ist, hat uns also nur das Setting geliehen. ;)

gschicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Die Texte erzählen von einem Outlaw, der durch das endlose Ödland des Westens zieht. Identifiziert sich euer Texter persönlich mit einem solchen Charakter?

Das ist definitiv nicht ganz zu leugnen! Ich finde, dass dieses „einer gegen die Welt“ – Prinzip eine gute Analogie ist zu dem, wie unsere digitale Gesellschaft sich einem viel zu oft präsentiert. Neben den guten Dingen der Vernetzung brachte sie aber vor allem auch eine nicht zu bewältigende Flut an Sinnlosigkeit, von der man geradezu überrannt wird. An jeder Ecke werden einem vorgefertigte Nachrichten aufgedrängt, oder Lebens- und Berufsmöglichkeiten vorgegaukelt. Sich mental den Weg durch dieses Chaos zu bahnen und seinen eigenen sinnerfüllten Pfad zu finden, ähnelt für mich der Wanderung durch das endlose Ödland des Westens. Man ist dabei auf sich alleine gestellt.

 

4. Was für eine Message möchtet ihr mit eurer Musik vermitteln?

Unsere Geschichte handelt von einem Mann namens Peter, einem erfahrenen Revolverhelden und Mitglied der Leibgarde des Generals. Trotz seines Ansehens und seiner Position erwacht er eines Tages in einer verrotteten Gefängniszelle. Die Anschuldigung an ihn ist groß: Der General ist tot und niemand anderes als er soll ihn umgebracht haben. Sich an nichts erinnernd wird er zum Galgen geführt, vorbei an der wütenden Meute die er einst beschützte, vorbei an seiner geliebten Familie, vorbei an dem Ort den er einst Heimat nannte. Doch der Lebenswillen in ihm ist nicht gebrochen. Und seine jahrelang geschärften Sinne bereiter denn je, die Hölle loszutreten. Durch eine geschickte List gelingt es ihm, die Augen des Henkers mit Blei zu füllen und zu entkommen. Doch von dort an gibt es kein Zurück. Er ist verdammt weiterzuwandern. Die Welt gegen sich. Der einzige Weg zurück zu seiner Familie führt durch diese verdammten Stadttore, die er hinter sich lassen musste. Und diese Tore konnte er nicht erneut passieren, außer er tat es mit einer Armee…

Wir möchten unsere Geschichte erzählen und uns zusammen mit unseren Zuhörern, Seite an Seite durch unsere Songs bewegen. Auf dass wir alle ein Grinsen im Gesicht und die Hörner in der Luft haben. ;)


5. Die Eisenbahn steht im Zentrum eures Covers. Welche Symbolik steckt für euch da drin?

Ursprünglich hätte die Wirtschaft dem Menschen dienen sollen, doch je mehr man sich umsieht, desto mehr stellt man fest, dass der Mensch Diener der Wirtschaft geworden ist. Und die Eisenbahn stellt für mich ein sehr treffendes Symbol für den Beginn jenes Prinzips dar, das Menschenopfer für Geld in Kauf nimmt. Sie spielt deshalb in unserer Geschichte eine zentrale Rolle, ihr Bau entzweite dort die einst verbundenen Lande und entfachte Krieg.

 

6. Nachdem ihr eurer erstes Album im Proberaum eingespielt hattet, seid ihr für „A Wagonload Of Justice“ nun erstmals ins Studio gegangen. Was war das für eine neue Erfahrung? Wie werdet ihr in Zukunft arbeiten?

Wir haben das Glück mit Jakob und Christian nicht nur hervorragende Gitarristen an Bord zu haben, sondern auch hervorragende Techniker. Sie haben bereits bei „Stormbound“ alle Schrauben gedreht und da Jakob ein Tonstudio betreibt, war der nächste logische Schritt, bei ihm aufzunehmen. Der Schritt ins Studio war so also nicht ganz so ein großer wie man vermuten möchte, zumal wir alle schon Studioerfahrung aus anderen Projekten hatten. Trotzdem war das Vorgehen nicht vergleichbar mit dem, was wir damals im Proberaum gemacht haben. Jakob arbeitet sehr professionell und verlangt einem einiges ab. Während wir uns für das erste Album einfach alle eine Woche frei nahmen, uns mit Bier eindeckten und uns tagelang im Keller verbarrikadierten, verteilten wir die Aufnahmen für „A Wagonload Of Justice“ auf einen viel größeren Zeitraum und wiederholten alle Sessions so lange, bis jedes Detail den richtigen Schliff hatte. So sehr ich den modrigen Geruch der Proberaumcouch auch bei den Aufnahmen vermisst habe, so sehr lässt sich doch das Ergebnis sehen ;)

Wir wollen bei der nächsten Aufnahme die Erfahrungen aus unseren ersten beiden CDs kombinieren. Weniger Zeit und mehr Bier aus der ersten Aufnahme, und mehr Professionalität und Disziplin aus der Zweiten. … Wenn das denn überhaupt geht … ;)

 

7. Ihr stellt das Album als Gratis-Download zur Verfügung. Weshalb habt ihr euch für diese Variante entschieden? Was versprecht ihr euch für Vorteile dadurch?

Vor der Veröffentlichung von „Stormbound“ war es unser größtes Ziel, ein Label als Partner für die Veröffentlichung und unser Booking zu gewinnen. Wir bekamen dann auch ein Angebot und haben unterschrieben, denn sowohl der Vertrag als auch der Ruf dieser Plattenfirma schien zu dieser Zeit sehr gut. So weit so gut bis hierhin. Danach zog sich alles monatelang hin. Wir bekamen kein Marketing, keine CDs, bald auch keine Antworten mehr. Das Label existiert heute nicht mehr, wir haben nichts erhalten und unser Release hat sich effektiv um ein Jahr verzögert. Deshalb sind wir momentan etwas vorsichtiger und operieren in Eigenregie. Alles was wir wollen, ist, dass unsere Musik gehört wird. Der Weg über ein Label ist vielleicht ein sehr effektiver, aber nicht der einzige, um dieses Ziel zu erreichen. Deshalb haben wir uns bei „A Wagonload Of Justice“ für den Gratis-Download entschieden. Alle Leute, denen unsere Musik gefallen könnte, sollen sie auch hören können.

Trotzdem sind wir sehr bemüht einen Partner zu finden, um vor allem Booking und zukünftige Releases professionell durchführen zu können.

 

8. Was seht ihr als größte Herausforderung für eine junge und noch wenig bekannte Band?

Es stellt sich heute wesentlich schwieriger dar als noch vor ein paar Jahren, als kleine Band an vernünftige Auftritte zu kommen. Und das ist für uns die größte Hürde momentan. Pay to play und Buy-on Angebote dominieren die Szene und die kleinen aber feinen Möglichkeiten als Local Support oder auf Festivals zu spielen, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen, sind gefühlt nicht mehr so leicht zugänglich wie früher. Markus und ich spielten z.B. mit unserem letzten Death Metal Projekt „Lacerator“ 2008 noch auf dem Metalcamp zur Abendstunde, über eine schriftliche Bewerbung. 5 Tage Natur, Bier, Geselligkeit und dann ein Auftritt, bei dem wir auf der gutbesuchten Bühne einfach die Sau rauslassen konnten – Was will man mehr? Heute scheint aber jeder Veranstalter von Anfragen geradezu überrollt, was natürlich dieses klassische Anmelde- und Auswahlverfahren erschwert. Und ich verstehe auch, dass dem so ist,
denn ich würde auch nicht zigtausende Mails am Tag durchgehen wollen, um den Besten Act zu finden. Irgendwann muss man wahrscheinlich als Veranstalter wohl den Schritt gehen, diese Arbeit an Agenturen auszulagern, bzw. mehr auf Bewerbungen von Agenturen zu achten, da diese schon vorsortiert sind. Ich hoffe, es gelingt uns, durch unsere Performances noch die richtigen Kontakte zu knüpfen, um öfter attraktive Slots spielen zu können. Denn auch wenn sie schwieriger zugänglich sind, es gibt sie noch, Harnon sei Dank.

 

9. Wie sähe der ideale Auftrittsort für euch aus (Ort/Szenerie, evtl. auch konkretes Festival/Konzertlokals)?

Hier kommt es definitiv nicht immer auf die Größe an ;)
Ein kleiner Gig wo das Flair stimmt, ist unbezahlbar.
Allerdings wäre es natürlich genial, einfach die Festivalbühne zu betreten und Vollgas zu geben. Die Atmosphäre auf einem Festival ist unverwechselbar und elektrisierend und ich finde, unsere Musik hat die Qualität, diese Stimmung aufzufangen. Würde ich z.B. nach etlichen ungewaschenen durchzechten Tagen bei Wacken im Pit stehen und der Anfang von „Wages Of A Gunslinger“ würde ertönen, ich würde mich komplett verlieren und im Schlamm die Sau rauslassen, als gäbe es kein Morgen. Die Epik des Westerns und ihre reitenden Horden in den staubigen schlammigen Weiten vor Wacken, die Gitarren auf Anschlag, den Sonnenuntergang im Rücken, das wäre schon was!